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Die Art und Weise, wie Menschen mit Technologie interagieren, steht möglicherweise vor einer signifikanten Veränderung. Christian Klein, der Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP, prognostiziert das baldige Ende der klassischen Tastatur im Arbeitsumfeld. Laut Klein könnte diese seit Jahrhunderten etablierte Eingabemethode bereits in den nächsten zwei bis drei Jahren durch sprachgesteuerte Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt werden.
Die Tastatur, in ihrer Grundform bereits im 18. Jahrhundert mit der Einreichung des ersten Patents für eine Schreibmaschine durch Henry Mill im Jahr 1714 konzipiert, hat die Bürowelt über lange Zeit geprägt. Trotz technologischer Fortschritte blieb ihr Kernprinzip der direkten Texteingabe konstant. Kleins Vision sieht eine Abkehr von diesem Prinzip vor. Er argumentiert, dass die Spracherkennung moderner KI-Systeme bereits so leistungsstark sei, dass die nächste logische Entwicklung darin bestehe, gesprochene Sprache direkt in Geschäftssprache und -daten zu übersetzen.
In der Praxis könnte dies bedeuten, dass Mitarbeitende künftig keine Daten mehr manuell in Systeme wie SAP eingeben, sondern analytische Fragen per Stimme stellen, operative Arbeitsabläufe mündlich auslösen oder Berichte und Leistungsfeedback diktieren. Diese Transformation würde eine grundlegende Verschiebung der Interaktionsparadigmen im Büroalltag einleiten.
Die prognostizierte Entwicklung basiert auf der raschen Weiterentwicklung von Large Language Models (LLMs) und Spracherkennungstechnologien. Klein betont, dass die theoretischen Diskussionen über die Möglichkeiten der KI beendet seien und man sich nun in der Phase der angewandten KI befinde. Als Beispiel nennt er einen Konsumgüterhersteller, der mithilfe von KI-Programmen Nachfrage, Finanzen und Lagerbestände koordiniert und dadurch eine Reduzierung der Lagerkosten um 20 Prozent erzielt.
Ein weiteres Szenario beschreibt, wie ein Mitarbeiter einer KI den Befehl geben könnte, Millionen von Finanzanalyse-Präsentationen zu durchsuchen und daraus Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der finanziellen Performance abzuleiten. Solche Anwendungen verdeutlichen das Potenzial von KI, zeitaufwendige Routineaufgaben zu automatisieren und menschliche Arbeitskräfte für komplexere, kreativere Tätigkeiten freizusetzen.
Klein unterscheidet zwischen Unternehmen, die bereits in KI investiert haben, aber noch keinen signifikanten Mehrwert feststellen konnten, und jenen, die KI als echten Gamechanger für ihre Geschäftsführung betrachten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt seiner Ansicht nach in der horizontalen Anwendung von KI im gesamten Unternehmen, anstatt sie isoliert in einzelnen Abteilungen zu implementieren. Begleitende Schulungen der Mitarbeitenden sind dabei essenziell, um die transformativen Effekte neuer KI-Tools voll auszuschöpfen.
Die Einführung sprachgesteuerter Systeme bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Während die Genauigkeit der Spracherkennung stetig zunimmt, bleibt das Thema des Datenschutzes und der Vertraulichkeit von gesprochenen Informationen relevant. Unternehmen wie Wispr Flow entwickeln beispielsweise Tools, die Sprache in Text umwandeln und dabei Füllwörter und Tippfehler automatisch entfernen, während gleichzeitig Datenschutzmodi angeboten werden, die eine Speicherung von Daten auf Servern verhindern.
Die Diskussion um die Zukunft der Arbeit durch KI findet vor dem Hintergrund globaler geopolitischer Veränderungen statt. Klein äußerte sich am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zu den neuen Realitäten, in denen Nationalinteressen zunehmend Vorrang vor globaler Zusammenarbeit erhalten. Dies erfordert von Unternehmen eine hohe Agilität und Flexibilität, um auf unvorhersehbare politische und wirtschaftliche Entwicklungen reagieren zu können.
Für Europa sieht Klein die Notwendigkeit, mutiger in die Umsetzung von KI-Technologien zu investieren und die vorhandenen Talente und das Industrie-Know-how besser zu nutzen. Er kritisiert die Fragmentierung innerhalb Europas und fordert eine Stärkung der wirtschaftlichen Schlagkraft, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Die SAP-Personalchefin Gina Vargiu-Breuer ergänzt, dass KI die Arbeit von Entwicklern grundlegend verändern wird. Routineaufgaben werden von KI übernommen, wodurch mehr Raum für Kreativität und Problemlösung entsteht. Die Rolle des Entwicklers verschiebt sich vom reinen Programmierer zum "KI-Supervisor", der die KI anleitet und kontrolliert. Dies erfordert neue Fähigkeiten wie:
Unternehmen müssen ihre Personalstrategien anpassen und sich zu "skill-basierten Organisationen" entwickeln, in denen Fähigkeiten die neue "Währung" sind, um schnell auf sich ändernde Anforderungen reagieren zu können.
Die Prognose des SAP-Chefs Christian Klein über das Ende der Tastatur ist mehr als eine spekulative Behauptung; sie ist ein Indikator für eine tiefgreifende Transformation der Arbeitswelt, die durch Künstliche Intelligenz vorangetrieben wird. Die Umstellung auf sprachgesteuerte Systeme verspricht erhebliche Effizienzsteigerungen und eine Neudefinition der Mensch-Computer-Interaktion. Für Unternehmen bedeutet dies, proaktiv in KI-Strategien zu investieren, Mitarbeitende zu schulen und eine Kultur der Anpassungsfähigkeit zu fördern. Die technologischen Möglichkeiten sind vorhanden; die Herausforderung besteht nun in der strategischen Umsetzung und der Gestaltung einer zukunftsfähigen Arbeitsumgebung.
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