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Die rapide Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) hat in den letzten Jahren zahlreiche Branchen transformiert und zu weitreichenden Diskussionen geführt. Eine dieser Debatten, die sich zunehmend zuspitzt, betrifft die Kreativwirtschaft, insbesondere im Bereich der bildenden Kunst. In Newcastle, Großbritannien, hat diese Diskussion nun eine konkrete Auswirkung gefunden: Mehrere Pubs haben angekündigt, keine von Brauereien stammende Kunst mehr zu akzeptieren, die mittels KI erstellt wurde. Diese Entscheidung wirft ein Schlaglicht auf die komplexen ethischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Fragen, die der Einsatz von KI in kreativen Prozessen aufwirft.
Die Initiative in Newcastle geht von Pub-Betreibern wie Simon Hubbard vom "Mean Eyed Cat" und dem "Free Trade Inn" aus. Sie berichten von einer Zunahme an Kunstwerken – insbesondere auf Flaschenetiketten und Zapfhahn-Clips von Brauereien –, die ihrer Meinung nach mithilfe von KI generiert wurden. Hubbard beschreibt diese Werke als "absolut schrecklichen KI-Schlamm", der "übertrieben poliert, übertrieben perfekt" wirke und oft unnatürliche Details, wie seltsam dargestellte Hände, aufweise. Die Pubs haben sich zusammengeschlossen, um ein klares Zeichen zu setzen und lokale Künstler in der Region zu schützen, die auf Designaufträge angewiesen sind.
Diese Haltung ist nicht isoliert. Sie reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Initiativen und Protesten weltweit, die sich gegen die unregulierte Nutzung von KI in der Kunst aussprechen. So gab es beispielsweise in Belfast ein Verbot von KI-Kunst auf einem Weihnachtsmarkt, und das Glasgow City Council sah sich nach der Genehmigung eines KI-generierten Wandgemäldes mit erheblichem Widerstand konfrontiert. Auch bei Kunstpreisen, wie dem Brisbane Portrait Prize, führten Entscheidungen bezüglich der Zulassung von KI-generierten Werken zu Kontroversen und Boykotten.
Ein zentrales Argument der Kritiker ist die Art und Weise, wie generative KI-Modelle trainiert werden. Diese Systeme werden mit Milliarden von Bildern und Texten aus dem Internet gefüttert, oft ohne die Zustimmung der ursprünglichen Urheber. Künstler wie Drew Millward, ein Illustrator aus Yorkshire, der mit Brauereien weltweit zusammenarbeitet, bezeichnen dies als "gestohlene Kunst". Sie befürchten, dass ihre Werke ohne Vergütung oder Anerkennung als Trainingsdaten verwendet und dann von der KI "wiedergekäut" werden, was letztlich ihre Existenzgrundlage bedroht. Millward betont, dass der Einsatz von KI in der Kreativbranche die Lebensgrundlage vieler Künstler kollektiv beeinträchtigen wird.
Ashley Willerton, ein Schriftkünstler aus Durham, der seit rund 12 Jahren in der Branche tätig ist, teilt diese Sorge um die Qualität und den Wert menschlicher Arbeit. Er ist der Überzeugung, dass es immer eine Nachfrage nach unabhängigen Künstlern geben wird, ungeachtet dessen, wie viel kostengünstiger die KI-Alternative sein mag. Willerton argumentiert, dass KI, egal wie gut sie wird, immer die menschliche Note vermissen lassen wird. Für ihn geht es nicht darum, ob KI technisch überlegen sein kann, sondern darum, ob die Kunst Bedeutung und Gefühl vermittelt – etwas, das seiner Ansicht nach nur durch menschliche Kreativität erreicht werden kann.
Aus wirtschaftlicher Sicht mag der Einsatz von KI für Unternehmen verlockend sein. Angesichts steigender Material- und Produktionskosten in vielen Branchen, einschließlich der Bierindustrie, suchen Unternehmen nach Wegen, Kosten zu senken und die Produktivität zu steigern. Cameron Brown, Inhaber der Turning Point Brew Co., nutzt beispielsweise KI-Engines wie Midjourney für seine Etikettendesigns, um die Kosten für die Gestaltung von 30 bis 40 neuen Bieren pro Jahr zu kontrollieren. Er sieht darin eine Möglichkeit, kreativ zu bleiben und den gewünschten visuellen Ausdruck auf kosteneffiziente Weise zu erzielen.
Reece Hugill, Inhaber der Newcastle-Brauerei Donzoko, sieht dies jedoch anders. Für ihn ist die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern ein integraler Bestandteil des Aufbaus einer Gemeinschaft. Er argumentiert, dass der Einsatz von KI anstelle eines lokalen Designers Geld aus der lokalen Wirtschaft abzieht und in die Hände von Multimilliardären verlagert. Darüber hinaus stellt Hugill die Frage nach der Gesamtqualität eines Unternehmens: Wenn man bei der Präsentation Abstriche macht, wo sonst noch? Bei den Zutaten? Bei der Bezahlung der Mitarbeiter?
Die Debatte um KI in der Kunst verdeutlicht eine grundlegende Spannung zwischen technologischem Fortschritt und dem Schutz menschlicher Arbeit und Kreativität. Während einige in KI ein mächtiges Werkzeug sehen, das die Zugänglichkeit und Effizienz kreativer Prozesse erhöht, befürchten andere eine Entwertung der Kunst, einen Verlust an Originalität und Arbeitsplatzverluste. Die Pub-Betreiber in Newcastle hoffen, dass ihre Initiative andere Unternehmen dazu anregen wird, ihre Praktiken zu überdenken und bewusster mit dem Einsatz von KI umzugehen.
Experten wie Drew Millward äußern große Hoffnungen für die Zukunft, trotz der aktuellen Herausforderungen. Sie glauben, dass KI zwar schnelle und kostengünstige Lösungen bieten kann, aber letztlich an ihre Grenzen stößt, wenn es um die Schaffung von wirklich bedeutungsvoller und emotional ansprechender Kunst geht. Die menschliche Fähigkeit zu Innovation, Empathie und einzigartiger Ausdrucksweise bleibt ein unersetzlicher Wert in der Kunstwelt.
Die Diskussion wird zweifellos weitergehen und sich entwickeln, während KI-Technologien immer ausgefeilter werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die rechtlichen Rahmenbedingungen und die öffentlichen Wahrnehmungen anpassen werden, um einen ethischen und nachhaltigen Umgang mit KI in der Kreativwirtschaft zu gewährleisten.
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