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Der Wandel in der KI-Forschung: Von sprachbasierten Modellen zu erfahrungsbasiertem Lernen

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January 30, 2026

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    Das Wichtigste in Kürze

    • Die KI-Forschung erlebt einen Paradigmenwechsel: weg von rein sprachbasierten Modellen hin zu erfahrungsbasiertem Lernen.
    • Große Sprachmodelle (LLMs) stoßen bei nicht-linguistischen, komplexen Aufgaben an ihre Grenzen, da sprachbasiertes Trial-and-Error zu ineffizient ist.
    • Ein neuer Ansatz, bekannt als "SCOUT", entkoppelt Exploration und Exploitation durch leichtgewichtige "Scouts" und ermöglicht so effizienteres Lernen.
    • Reinforcement Learning (RL) gewinnt wieder an Bedeutung, da es KI-Agenten ermöglicht, kontinuierlich aus der Interaktion mit ihrer Umgebung zu lernen.
    • Die "Ära der Erfahrung" verspricht superhumanische Fähigkeiten durch autonome Interaktion, grounded Rewards und nicht-menschliche Denkweisen.
    • Herausforderungen umfassen die Entwicklung sicherer und ethischer KI-Systeme, die in komplexen realen Umgebungen agieren.

    Der Paradigmenwechsel in der KI: Von sprachbasiertem Trial-and-Error zur Ära der Erfahrung

    Die Landschaft der künstlichen Intelligenz durchläuft derzeit einen signifikanten Wandel. Während Große Sprachmodelle (LLMs) in den letzten Jahren beeindruckende Fortschritte im Bereich sprachbasierter Aufgaben erzielt haben, deuten aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass ihr Ansatz des sprachbasierten Trial-and-Error in komplexen, nicht-linguistischen Umgebungen zunehmend an seine Grenzen stößt. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe dieser Entwicklung und die aufkommende „Ära der Erfahrung“, in der KI-Agenten primär aus eigener Interaktion mit der Welt lernen.

    Die Grenzen sprachbasierter Modelle

    Sprachmodelle haben durch das Training auf riesigen Mengen menschlicher Daten ein bemerkenswertes Maß an Allgemeinheit erreicht. Sie können Gedichte schreiben, physikalische Probleme lösen oder medizinische Diagnosen zusammenfassen. Ihre Stärke liegt in der Verarbeitung und Generierung von Sprache, was sie zu vielseitigen Werkzeugen für eine breite Palette von Anwendungen macht. Jedoch, wie eine aktuelle Veröffentlichung mit dem Titel "Language-based Trial and Error Falls Behind in the Era of Experience" auf arXiv hervorhebt, ist die Anwendbarkeit von LLMs in unbekannten, nicht-linguistischen Umgebungen begrenzt. Dazu gehören symbolische oder räumliche Aufgaben, bei denen die Komplexität der Exploration durch reines sprachbasiertes Ausprobieren prohibitive Kosten verursacht.

    Der Hauptengpass liegt in den hohen Kosten der Exploration. Das Meistern solcher Aufgaben erfordert umfangreiches Trial-and-Error-Lernen, welches für parameterreiche LLMs in einem hochdimensionalen semantischen Raum rechnerisch nicht nachhaltig ist. Die Diskrepanz zwischen der Vortrainingsdistribution und der Testdistribution wird als ein Faktor genannt, jedoch wird die Ineffizienz der Exploration als primäres Hindernis identifiziert.

    SCOUT: Eine neue Strategie für effiziente Exploration

    Um dieser Herausforderung zu begegnen, wurde ein neuartiges Framework namens SCOUT (Sub-Scale Collaboration On Unseen Tasks) vorgeschlagen. SCOUT trennt die Exploration von der Exploitation. Es nutzt leichtgewichtige "Scouts", beispielsweise kleine Multi-Layer Perceptrons (MLPs), um Umgebungsdynamiken mit einer Geschwindigkeit und Skalierbarkeit zu erkunden, die LLMs weit übertrifft. Die gesammelten Trajektorien werden anschließend genutzt, um das LLM mittels Supervised Fine-Tuning (SFT) zu bootstrappen. Darauf folgt ein mehrstufiges Reinforcement Learning (RL), um das latente Weltwissen des Modells zu aktivieren.

    Empirische Ergebnisse zeigen die Effektivität dieses Ansatzes. Ein Qwen2.5-3B-Instruct-Modell, das mit SCOUT trainiert wurde, erreichte einen durchschnittlichen Wert von 0,86 und übertraf damit proprietäre Modelle wie Gemini-2.5-Pro (0,60), während es gleichzeitig etwa 60 % der GPU-Stunden einsparte. Dies demonstriert einen Weg, wie die inhärenten Einschränkungen sprachbasierter Modelle bei der Auseinandersetzung mit physischen oder komplexen, nicht-linguistischen Umgebungen überwunden werden können.

    Die Ära der Erfahrung: Kontinuierliches Lernen und autonome Agenten

    Die "Ära der Erfahrung" markiert einen fundamentalen Wandel in der KI-Entwicklung. Anstatt sich primär auf menschlich generierte Daten zu verlassen, lernen KI-Agenten zunehmend aus ihrer eigenen Interaktion mit der Welt. David Silver und Richard S. Sutton, führende Köpfe im Reinforcement Learning, argumentieren, dass diese neue Ära das Potenzial hat, über die menschliche Intelligenz hinauszugehen. Sie betonen, dass die Imitation menschlicher Fähigkeiten zwar zu kompetenten Leistungen führt, aber Grenzen hat, wenn es darum geht, superhumanische Intelligenz in Bereichen wie Mathematik, Programmierung und Wissenschaft zu erreichen.

    Die Schlüsselmerkmale dieser Ära umfassen:

    • Kontinuierliche Lernströme: Agenten lernen über lange Zeiträume hinweg aus einer ununterbrochenen Abfolge von Aktionen und Beobachtungen, ähnlich wie Menschen und Tiere in der realen Welt. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Anpassung und das Verfolgen langfristiger Ziele.
    • Grounded Actions und Observations: Die Interaktionen der Agenten sind reichhaltig in ihrer Umgebung verankert. Statt ausschließlich über menschlichen Dialog zu agieren, interagieren sie über motorische Kontrollen und Sensoren, ähnlich wie natürliche Intelligenz. Dies schließt auch die Interaktion mit digitalen Schnittstellen der realen Welt ein.
    • Grounded Rewards: Belohnungen werden nicht mehr nur durch menschliche Vorurteile oder Präferenzen definiert, sondern entstehen aus der Umgebung selbst. Dies ermöglicht es Agenten, neue Strategien zu entdecken, die über das bestehende menschliche Wissen hinausgehen. Beispiele hierfür sind die Verwendung von Herzfrequenzdaten für ein Gesundheitsassistenzsystem oder CO2-Werten zur Belohnung eines Klimamodells.
    • Nicht-menschliches Denken und Planen: Agenten entwickeln eigene, möglicherweise nicht-menschliche Denkweisen und Planungsstrategien. Dies kann zu Entdeckungen führen, die menschliche Denkmuster übertreffen, wie es AlphaProof bei der Lösung mathematischer Olympiade-Probleme demonstrierte.

    Die Wiederbelebung des Reinforcement Learning

    Reinforcement Learning (RL) spielt in dieser neuen Ära eine zentrale Rolle. Historisch gesehen hat RL bereits in simulierten Umgebungen beeindruckende Erfolge erzielt, beispielsweise bei Brettspielen wie Go und Schach oder Videospielen. Nach einer Phase, in der der Fokus auf menschenzentrierten LLMs lag, kehren Forscher nun zu den Kernkonzepten des RL zurück, um die Fähigkeiten autonomer Agenten weiterzuentwickeln.

    Klassische RL-Konzepte wie Temporal Difference Learning, Explorationsstrategien und Weltmodelle werden neu bewertet und an die Herausforderungen der Ära der Erfahrung angepasst. Die Fähigkeit von Agenten, ihr eigenes Wissen selbst zu entdecken, wie AlphaZero es bei der Entwicklung neuer Strategien für Go zeigte, wird mit der Aufgaben-Generalität der sprachbasierten Ära kombiniert.

    Herausforderungen und Implikationen

    Der Übergang zur Ära der Erfahrung birgt nicht nur enormes Potenzial, sondern auch erhebliche Herausforderungen. Die Entwicklung von KI-Systemen, die autonom in der Welt agieren und aus ihrer Erfahrung lernen, erfordert eine sorgfältige Auseinandersetzung mit Fragen der Sicherheit, Ethik und der Interpretierbarkeit.

    Ein zentrales Problem ist die Ausrichtung (Alignment) von KI-Systemen. Während Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) dazu beigetragen hat, Modelle an menschliche Erwartungen anzupassen, könnte die Abkehr von menschlichen Daten und Denkweisen die Interpretierbarkeit zukünftiger KI-Systeme erschweren. Es bedarf robuster Mechanismen, um sicherzustellen, dass autonome Agenten nicht unbeabsichtigt schädliche Ziele verfolgen oder menschliche Kontrolle untergraben.

    Die "Ära der Erfahrung" verspricht eine Beschleunigung wissenschaftlicher Entdeckungen und personalisierte Assistenzsysteme, die sich über Jahre hinweg an individuelle Bedürfnisse anpassen. Gleichzeitig müssen die potenziellen Risiken, wie Arbeitsplatzverdrängung und die Möglichkeit, dass autonome Agenten unbeaufsichtigt weitreichende Entscheidungen treffen, verantwortungsvoll adressiert werden. Das Ziel ist es, eine vertrauenswürdige KI zu schaffen, die nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher und vorteilhaft für die Menschheit ist.

    Fazit

    Die Verlagerung von sprachbasiertem Trial-and-Error hin zu erfahrungsbasiertem Lernen stellt einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung der künstlichen Intelligenz dar. Durch die Entkopplung von Exploration und Exploitation sowie die Wiederbelebung und Anpassung von Reinforcement Learning-Methoden können KI-Agenten neue Fähigkeiten erlangen, die über die Grenzen des menschlichen Wissens hinausgehen. Die "Ära der Erfahrung" steht am Horizont und verspricht transformative Fortschritte, die jedoch eine kontinuierliche und sorgfältige Auseinandersetzung mit den ethischen und sicherheitstechnischen Implikationen erfordern.

    Bibliographie

    - Haoyu Wang et al. (2026). "Language-based Trial and Error Falls Behind in the Era of Experience". arXiv:2601.21754. - David Silver, Richard S. Sutton (2025). "Welcome to the Era of Experience". DeepMind. - Cédric Colas et al. (2025). "Language and Experience: A Computational Model of Social Learning in Complex Tasks". arXiv:2509.00074. - Anthropic (n.d.). "Claude's Constitution". - Chenming Tang et al. (2025). "Do Not Step Into the Same River Twice: Learning to Reason from Trial and Error". arXiv:2510.26109. - LinkedIn Post von Valentin Tablan (2025). "AI is on the cusp of a paradigm shift, says Silver and Sutton".

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