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Die kontinuierliche Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz (KI) ist ein zentraler Treiber für Innovationen in der Wirtschaft. Insbesondere im Bereich der Large Language Models (LLMs) und komplexer Problemlösungsansätze zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: weg von statischen, nach dem Training eingefrorenen Modellen hin zu Systemen, die in der Lage sind, während der Inferenzphase zu lernen und sich anzupassen. Dieses Konzept, bekannt als "Test-Time Learning" (TTL) oder "Learning to Discover at Test Time", verspricht, die Leistungsfähigkeit von KI-Anwendungen in realen Szenarien erheblich zu steigern.
Traditionell durchlaufen LLMs drei Hauptphasen: ein umfangreiches Pre-Training, gefolgt von einer Verfeinerung mittels Reinforcement Learning und schließlich die Inferenzphase, in der Nutzer mit dem Modell interagieren. Während das Pre-Training ein breites Sprachverständnis und Faktenwissen vermittelt, formt das Reinforcement Learning das Verhalten des Modells. Die Inferenzphase war bisher der Punkt, an dem das Gelernte angewendet wurde, ohne dass das Modell explizit neue Erfahrungen verarbeitete oder aus Fehlern lernte. Die vorherrschende Meinung, dass größere Modelle mit mehr Trainingsdaten automatisch zu besserer Leistung führen, stößt jedoch zunehmend an finanzielle und hardwarebezogene Grenzen. Hier setzen die neuen Ansätze des Test-Time Learnings an.
Ein vielversprechender Ansatz in diesem Bereich ist TTT-Discover, entwickelt von Forschern an Institutionen wie Stanford und NVIDIA. Dieses Modell führt Reinforcement Learning (RL) direkt zur Testzeit durch, wodurch LLMs in die Lage versetzt werden, an spezifischen Problemen weiter zu trainieren. Im Gegensatz zu früheren Methoden, die ein eingefrorenes LLM lediglich zur Suche nach Lösungen auffordern, ermöglicht TTT-Discover dem Modell, aus seiner eigenen Erfahrung während des Problemlösungsprozesses zu lernen.
TTT-Discover hat in verschiedenen anspruchsvollen Domänen neue Spitzenleistungen erzielt:
Diese Erfolge wurden mit einem offenen Modell (OpenAI gpt-oss-120b) und zu vergleichsweise geringen Rechenkosten erzielt, was die Reproduzierbarkeit und Zugänglichkeit der Methode unterstreicht.
Ein weiterer innovativer Ansatz ist das Dynamic Cheatsheet (DC), das von Forschern der Stanford University und Together AI vorgestellt wurde. DC ist ein leichtgewichtiges Framework, das Black-Box-LLMs mit einem persistenten, sich entwickelnden Gedächtnis ausstattet. Anstatt bei jeder Anfrage von Neuem zu beginnen und dieselben Fehler zu wiederholen, können Modelle mit DC akkumulierte Strategien, Code-Snippets und allgemeine Problemlösungserkenntnisse während der Inferenzzeit speichern und wiederverwenden.
Das DC-Framework besteht aus zwei Kernmodulen: der Generierung und der Kuration. Das Modell konsultiert vor der Beantwortung einer neuen Anfrage sein externes Gedächtnis, um relevante Erkenntnisse abzurufen. Nach der Generierung einer Lösung bewertet ein Kurator (oft dasselbe LLM mit spezifischen Anweisungen) die Nützlichkeit und Verallgemeinerbarkeit der Antwort. Korrekte oder nützliche Ansätze werden in das Gedächtnis aufgenommen oder verfeinert, fehlerhafte Heuristiken überarbeitet oder entfernt. Dies geschieht ohne gradientenbasierte Parameter-Updates, wodurch der Rechenaufwand gering bleibt und die Kompatibilität mit Black-Box-APIs gewahrt wird.
DC-Varianten:
Die Ergebnisse von DC sind signifikant:
Ein entscheidender Aspekt von DC ist die Selbstkuration des Gedächtnisses, das sich auf prägnante, übertragbare Snippets konzentriert und nicht auf vollständige Transkripte. Dies verhindert ein "Aufblähen des Kontexts" und erleichtert das Meta-Lernen.
Die Forschung erweitert das Konzept des Test-Time Learnings auch auf die Struktur von Modellen selbst. Ein Ansatz mit dem Titel "Learning to (Learn at Test Time): RNNs with Expressive Hidden States" untersucht, wie rekurrenten neuronalen Netzen (RNNs) eine lineare Komplexität bei gleichzeitig ausdrucksstarken Hidden States verliehen werden kann. Die zentrale Idee ist hierbei, den Hidden State selbst zu einem Machine Learning Modell zu machen und die Update-Regel zu einem Schritt des selbstüberwachten Lernens. Diese Schichten werden als Test-Time Training (TTT) Schichten bezeichnet.
Es wurden zwei Instanziierungen evaluiert:
Diese Modelle wurden im Bereich von 125 Millionen bis 1,3 Milliarden Parametern getestet und mit leistungsstarken Transformatoren und Mamba-Modellen verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass TTT-Linear und TTT-MLP die Perplexität kontinuierlich reduzieren können, indem sie mehr Token berücksichtigen, ähnlich wie Transformatoren. Dies deutet auf ein großes Potenzial für längere Kontexte hin, obwohl MTTT-MLP noch Herausforderungen bei der Speicher-E/A aufweist. Dies unterstreicht die Idee, dass die Integration von Lernmechanismen in die Testzeitarchitektur selbst neue Wege für die Skalierung der Leistung eröffnet.
Die Erkenntnisse aus dem Test-Time Learning haben weitreichende Implikationen für B2B-Anwendungen, insbesondere für Unternehmen, die auf präzise und anpassungsfähige KI-Lösungen angewiesen sind:
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Effektivität von TTL stark von der generativen Kompetenz des Basismodells abhängt. Kleinere Modelle können Schwierigkeiten haben, hochwertige Strategien zu entwickeln oder gespeichertes Wissen effektiv anzuwenden. Zudem erfordert die Gedächtnisverwaltung eine sorgfältige Kuration, um die Verbreitung fehlerhafter Heuristiken zu vermeiden.
Die Forschung in diesem Bereich steht noch am Anfang, doch die gezeigten Ergebnisse sind vielversprechend. Die Integration von Test-Time Learning in KI-Systeme könnte einen entscheidenden Schritt in Richtung intelligenterer, anpassungsfähigerer und wirtschaftlicherer KI-Lösungen für den B2B-Sektor darstellen.
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