Das Wichtigste in Kürze
- Elf Sicherheitslücken wurden im Automatisierungstool n8n entdeckt, drei davon gelten als kritisch.
- Die Schwachstellen ermöglichen unter anderem das Einschleusen und Ausführen von Schadcode sowie den Ausbruch aus Sandbox-Umgebungen.
- Aktualisierte n8n-Versionen (2.10.1, 2.9.3, 1.123.22 und höher) beheben diese Sicherheitsmängel.
- Unternehmen, die n8n nutzen, sind dringend aufgerufen, ihre Instanzen umgehend zu aktualisieren, um Risiken wie vollständige Systemkompromittierung und Datenexfiltration zu minimieren.
- N8n nimmt als Orchestrator für KI-Workflows eine kritische Rolle ein, weshalb eine Kompromittierung weitreichende Folgen für ganze Geschäftsprozesse haben kann.
- Neben dem Patchen sind präventive Maßnahmen wie die Reduzierung der Angriffsfläche, die Einschränkung von Zugriffsrechten und ein verstärktes Monitoring essentiell.
Das KI-gestützte Prozessautomatisierungs-Tool n8n, eine weit verbreitete Open-Source-Plattform für Workflow-Automatisierung und Low-Code-AI-Orchestrierung, steht aufgrund mehrerer neu entdeckter Sicherheitslücken im Fokus. Aktuelle Analysen zeigen, dass insgesamt elf Schwachstellen identifiziert wurden, von denen drei als kritisch eingestuft werden. Diese Mängel könnten Angreifern das Einschleusen und Ausführen von Schadcode sowie den Ausbruch aus Sandbox-Umgebungen ermöglichen. Für Unternehmen, die n8n als zentrale Schnittstelle für SaaS-Dienste, Datenbanken und KI-Workflows einsetzen, ergeben sich daraus potenzielle Risiken für die IT-Sicherheit und die Integrität von Geschäftsprozessen.
Detaillierte Betrachtung der Schwachstellen
Die von IT-Forschern aufgedeckten Schwachstellen umfassen eine Reihe von potenziellen Angriffspunkten. Zu den kritischsten Problemen zählen:
- CVE-2026-27497 (CVSS4 9.4): Angemeldete Nutzer mit Workflow-Erstellungs- oder -Modifizierungsrechten könnten den SQL-Query-Modus missbrauchen, um beliebigen Code auf dem n8n-Server auszuführen oder Dateien abzulegen.
- CVE-2026-27577 (CVSS4 9.4): Manipulierte Ausdrücke in Workflow-Parametern könnten zum Starten von Systembefehlen auf dem n8n-Hostsystem führen, was einen Ausbruch aus der Expressions-Sandbox darstellt.
- CVE-2026-27495 (CVSS4 9.4): Im JavaScript-Task-Runner könnten Nutzer die Sandbox umgehen und beliebigen Code außerhalb dieser ausführen, was in der Standardkonfiguration eine vollständige Kompromittierung des n8n-Hosts zur Folge haben könnte.
Darüber hinaus wurden weitere Schwachstellen mit hohem und mittlerem Risiko identifiziert, darunter:
- CVE-2026-27578 (CVSS4 8.5): Eine Stored XSS-Lücke über verschiedene Nodes.
- CVE-2026-27493 (CVSS4 9.5 laut NIST, jedoch als "hoch" eingestuft): Eine unauthentifizierte Expression Evaluation via Form Node.
- Mehrere Schwachstellen ohne CVE-Kennung mit einem CVSS-Score von bis zu 6.3, die unter anderem Authentifizierungs-Bypässe, Webhook Forgery und SQL Injection betreffen.
Diese Funde erweitern eine bereits im Februar dieses Jahres geschlossene Reihe von Sicherheitslücken, die ebenfalls kritische und hohe Risiken darstellten.
Betroffene Versionen und erforderliche Maßnahmen
Die n8n-Entwickler haben umgehend auf die Berichte reagiert und Patches zur Behebung der Schwachstellen bereitgestellt. Unternehmen wird dringend empfohlen, ihre n8n-Instanzen auf die Versionen 2.10.1, 2.9.3, 1.123.22 oder neuere Fassungen zu aktualisieren. Diese Updates sind unter anderem über das n8n-GitHub-Repository verfügbar. Für Nutzer, die n8n als Docker-Container betreiben, ist die Aktualisierung über die Docker-Verwaltung vorzunehmen.
Es ist wichtig zu beachten, dass eine Aktualisierung nicht nur die unmittelbaren Schwachstellen behebt, sondern auch die allgemeine Sicherheit der Plattform stärkt. Die Dringlichkeit dieser Maßnahme wird durch die potenziellen Folgen einer Ausnutzung unterstrichen, die von Datenabfluss über die Manipulation von Business-Workflows bis hin zur vollständigen Kompromittierung der n8n-Instanz reichen können.
Die Rolle von n8n als kritische Infrastruktur
N8n fungiert in vielen modernen IT-Architekturen als zentraler Orchestrator für die Automatisierung von Prozessen, die Integration verschiedener Dienste und die Steuerung von KI-Workflows. Dies umfasst oft:
- Die Ausführung von Integrationen und Hintergrundjobs.
- Die Speicherung sensibler Zugangsdaten wie API-Schlüssel und OAuth-Tokens.
- Die Orchestrierung von KI-Agenten und komplexen LLM-Workflows.
Ein erfolgreicher Angriff auf eine n8n-Instanz kann daher weitreichende Konsequenzen haben. Angreifer könnten Zugriff auf verbundene SaaS-Systeme, Datenbanken und interne Netzwerke erlangen. Insbesondere im Kontext von KI-Anwendungen kann dies die Manipulation von Modellen, die Exfiltration vertraulicher Trainingsdaten oder die Umleitung von Agentenfähigkeiten für schadhafte Zwecke bedeuten.
Praktische Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Um die Risiken zu minimieren, sollten Unternehmen über das reine Patchen hinausgehende Maßnahmen ergreifen:
Kurzfristige Sofortmaßnahmen
- Version prüfen und patchen: Eine genaue Inventarisierung aller n8n-Instanzen (Produktion, Staging, Entwicklung) ist erforderlich, gefolgt von einem Abgleich mit den offiziellen Security Advisories und einem schnellen Update auf die jeweils aktuellste stabile Version.
- Angriffsfläche reduzieren: N8n-Instanzen sollten nicht direkt aus dem Internet erreichbar sein. Webhook- und Formular-Endpunkte sollten hinter API-Gateways platziert, IP-basiert geschützt oder mittels mTLS/Token abgesichert werden.
- Zugang stark einschränken: Zugriffsrechte und Rollen sollten überprüft und nach dem Prinzip des geringsten Privilegs vergeben werden. Die Implementierung von SSO, MFA und strengen Passwortrichtlinien ist essenziell.
- Credential-Risiko adressieren: Alle in n8n gespeicherten Secrets sind zu inventarisieren und bei Verdacht auf Kompromittierung umgehend zu rotieren.
- Logging und Forensik: Logs der letzten Wochen sollten gesichert und auf ungewöhnliche Aktivitäten, neue Credentials oder externe Ziel-URLs hin untersucht werden.
Mittelfristige Maßnahmen
- Architektur-Review für AI-Orchestrierung: N8n sollte als hochkritisches Asset eingestuft und entsprechend behandelt werden. Eine klare Trennung zwischen produktiver Orchestrierung und experimentellen Umgebungen ist ratsam.
- Netzwerk- und Segmentierungskonzept anpassen: N8n-Instanzen sollten in gehärteten Netzwerksegmenten betrieben werden, mit strikt definierten Ein- und Ausgangsverbindungen.
- Security-Governance für Low-Code- und AI-Plattformen etablieren: Klare Richtlinien für die Datenverarbeitung, Klassifizierungsregeln für schützenswerte Daten und technische "Guardrails" (z.B. genehmigte Node-Typen) sind zu implementieren.
- Monitoring und Detektion aufrüsten: SIEM/XDR-Systeme sollten so konfiguriert werden, dass sie Anomalien in n8n-Prozessaktivitäten, ungewöhnliche ausgehende Verbindungen oder Massenänderungen an Workflows erkennen und alarmieren.
Langfristige Strategie
- Threat Modeling für den Automations-Stack: Eine ganzheitliche Betrachtung von n8n, CI/CD-Pipelines und Secrets-Management ist erforderlich, um potenzielle Angreiferpfade zu modellieren.
- Zero-Trust-Prinzipien anwenden: Auch für interne Orchestratoren sollte kein implizites Vertrauen bestehen. Durchgängige Authentifizierung, Autorisierung und Verschlüsselung sind umzusetzen.
- Vendor- und Open-Source-Risikomanagement: Aktives Abonnieren von Security Advisories, regelmäßige Penetrationstests und die Integration von n8n in den Patch-Prozess sind notwendig.
- Schulung von Citizen Developern und AI-Teams: Sensibilisierung für Sicherheitsaspekte bei der Workflow-Erstellung, Best Practices für API-Nutzung und Secrets-Handling.
Diese umfassenden Maßnahmen sollen sicherstellen, dass n8n weiterhin als leistungsstarkes Tool genutzt werden kann, ohne dabei die Unternehmenssicherheit zu gefährden. Die aktuelle Situation unterstreicht die Notwendigkeit, Low-Code-Plattformen und Automatisierungstools als kritische Komponenten der IT-Infrastruktur zu betrachten und entsprechend zu schützen.
Die Sicherheitslage bei n8n zeigt deutlich, dass die fortlaufende Pflege und Absicherung von Automatisierungs- und Integrationsplattformen von entscheidender Bedeutung ist. Nur durch proaktives Handeln und eine strategische Herangehensweise an die IT-Sicherheit können Unternehmen die Vorteile dieser Technologien voll ausschöpfen und gleichzeitig die Risiken minimieren.
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